daniela span - timeline


September 1998 "natürlich künstlich" Besichtigung eines hybriden Gebildes
O.K Centrum für Gegenwartskunst, Linz, Oberösterreich





daniela span, winfried b. platzgummer: The Singing RoseBeetleBed, 1998
Öl und Serigraphie auf Linoleum, CD-Player, 2 Boxen, Holzplatten, Erde, Gras
680 x 330 x 20 cm

natürlich künstlich. Besichtigung eines hybriden Gebildes.
O.K. Centrum für Gegenwartskunst, Linz 1998

In dieser Gemeinschaftsarbeit thematisieren Daniela Span & Winfried B. Platzgummer geschlechtsspezifische Differenz im Zusammenhang mit dem dualistischen Prinzip des natürlich / künstlich Komplexes.
Soziale Konventionen, Klischeevorstellungen oder erwartete Verhaltensmuster, "normal ist natürlich, natürlich was die Norm ist" wird dekonstruiert. Daniela Spans Rose, Symbol des Weiblichen, Jungfräulichen,
wird in ihrer künstlichen Transformation zum Pseudo-Symbol imaginärer männlicher Vollkommenheitsphantasien weiblicher Schönheitsideale, des ewig Schönen, des ewig Jungen. Die Künstlichkeit der Schönheitsideale entspricht jener der Plastikrose, der Vergänglichkeitskonnotation des organischen Vorbildes entgegengesetzt. Der Zeitfaktor wird eliminiert, der Tod, das andere (das Weibliche) wird geleugnet.
Daniela Spans Rosen entlarven und zelebrieren die Kultivierung der Abwesenheit des Todes, Metapher für den angestrebten Endpunkt künstlicher / technischer Reproduktion (Endstation Paradise), und die Kultivierung der Schein-Abwesenheit männlicher Kastrationsängste durch die Instrumentalisierung des anderen Geschlechts, mittels der Künstlichkeit von Vollkommenheitsphantasien oder von Fetischismus. Künstliche Identitäten als Produkt von Männer / Frauen-Phantasien und von unbewußten wie bewußten Sozialisierungsstrukturen sind das Resultat. Sie werden definiert durch das einem Bild oder einer Erwartung Entsprechen-Müssen und werden so zur "zweiten Natur".
"Nicht die größere Nähe zur Natur, die Frauen in den westlichen Erzählungen zugeschrieben wird, ist der Ausgangspunkt von Haraways Konzeption von Handlungsfähigkeit, sondern die in diesen Erzählungen vollzogene Positionierung von Frauen als Grenzfiguren an der Schnittstelle von Natur und Kultur, denen der Zugang zu einem vollwertigen Subjektstatus verwehrt ist.
(Dieser Status als Grenzfigur, [Anm. d. A.]) kann als ein Beispiel für Heterogenität, Nicht-Identität und kritische Positionierung angesehen werden.
An die Stelle dieses (männlichen, [Anm. d. A.]) Subjekts tritt bei Haraway ein Selbst, dessen Handlungsfähigkeit nicht auf Identität und Abgrenzung, sondern auf Verkörperung, innerer Differenz und Verbundenheit über die Grenzen zwischen Mensch und Tier und zwischen Mensch und Maschine beruht.
Haraways Bild für dieses Selbst ist die Cyborg, ein hybrides Wesen, das sowohl Organismus als auch Maschine ist.
Die Cyborg ist das Modell eines Selbst, das in der Lage ist, politische Bündnisse auf nicht - essentialistischer Basis aufzubauen und ein Verhältnis zur Natur zu entwickeln, das nicht dem Imperativ von Herrschaft und Kontrolle untergeordnet ist." 1
Das Rosenbeet als Bild gewordene Sehnsucht nach Liebe, als Abbild des Ersatzes durch künstliche Emotionen, leicht konsumierbarer Pseudo-Gefühle, akustisch untermalt von Frenk Lebels Song "Queen of all kings" wird von Winfried B. Platzgummers Käferkolonie visuell durchquert. Die Invasion der Käfer symbolisiert die Unterwanderung / Dekonstruktion des Vollkommenheitsideals, die Künstlichkeit des Absoluten dechiffrierend, indem die Vergänglichkeit, aber auch das "Animalische" Einzug hält in Dornröschens Gefilde.
Die Zersetzung der schönen Oberfläche, der Einbruch des realen Lebens, die Epiphanie der "Totengräber" führt die Idealbilder in ihrer Künstlichkeit ad absurdum. Natura morta.

Sabine Winkler

1 Carmen Hammer und Immanuel Stieß, Einleitung, in: Donna
Haraway, Die Neuerfindung der Natur. Primaten, Cyborgs und Frauen,
Frankfurt / Main, New York, 1995, S. 29 - 30


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